Der Roman Sieben Sekunden Luft von dem Haymon Verlag hatte mich mit seinem Cover und dem Klappentext sofort neugierig gemacht.
Die Geschichte ist in tagebuchartigen Einträgen erzählt, wodurch ich der Protagonistin sehr nahekam und ihre Gedankenwelt intensiv miterleben konnte. Wir begleiten sie durch verschiedene Lebensabschnitte – was stellenweise etwas Orientierung erfordert, aber gleichzeitig sehr gut ihr inneres Chaos und die Brüche in ihrem Leben widerspiegelt. Genau das macht auch einen großen Teil der Wirkung des Romans aus.
Thematisch geht es tief: Identitätssuche, das ständige Fragen nach dem „Wer bin ich?“, sowie die vielschichtige Mutter-Tochter-Beziehung stehen im Zentrum. Gefühle wie Scham, Druck und das Funktionieren-Müssen werden eindringlich transportiert. Die Geschichte ist aufwühlend, berührend und alles andere als oberflächlich.
In der Mitte des Buches hatte ich allerdings einen kleinen Durchhänger. Die verschiedenen Handlungsstränge wurden für mich schwerer greifbar und das Erzähltempo hat etwas nachgelassen. Gerade weil der Einstieg und viele Passagen so intensiv sind, hätte ich mir gewünscht, dass diese emotionale Dichte bis zum Ende konsequent getragen wird – zwischendurch hat mich das Buch emotional etwas verloren.
Trotzdem passt die gewählte Erzählweise sehr gut zu diesem komplexen Konstrukt. Die Rückblicke und Perspektivwechsel unterstreichen die Zerrissenheit der Protagonistin und machen die Geschichte besonders.
„Sieben Sekunden Luft“ ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Es fordert Aufmerksamkeit, Konzentration und auch Zeit – aber genau darin liegt auch seine Stärke.
Für mich ein beeindruckender Roman, der mein Leseerlebnis über Romance und Fantasy hinaus bereichert hat.
Sieben Sekunden Luft von Luca Mael Milsch
Haymon Verlag
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